Bugle out

Um kurz nach acht endete der Funkkontakt

Am 19.12.2003 wurde die Radarführungsabteilung in Brekendorf von ihrem Einsatzauftrag entbunden.

„Das war ein sehr bewegender Moment“, sagte Kommandeur und Oberstleutnant Hermann Hornung von der Radarführungsabteilung 13 in Brekendorf gestern bei der letzten Konferenzschaltung mit dem im niederrheinischen Kalkar ansässigen NATO-Hauptquartier. Rund 150 Soldaten und Zivilisten sowie ehemalige Standortzugehörige standen um 8 Uhr dichtgedrängt um die Monitore und Lautsprecher und hörten, wie die Erlaubnis erteilt wurde, die Operation in Brekendorf einzustellen.

Über 40 Jahre lang wurde in Brekendorf der Luftraum in der Bundesrepublik Deutschland 24 Stunden am Tag überwacht. Unbekannte Flugobjekte, die jedoch schließlich als Wetterballons, Sportflieger oder sogar Schneegänse enttarnt wurden, haben dabei in der Vergangenheit die Radarstellung immer mal wieder in Alarmbereitschaft versetzt.

Ende September vergangenen Jahres wurde bereits die so genannte Waffenleit- und FlaRak-Komponente im Rahmen des NATO-Luftverteidigungsauftrages eingestellt.

„Nur die Augen und Ohren bleiben.“

Mit dem gestrigen Tag werden in Brekendorf keine Daten und Luftlagepläne mehr ausgewertet. „Nur die Augen und Ohren bleiben“, sagt Oberleutnant Rüdiger Wolf. Mittels Digitalisierung der Daten und Radarvernetzung werden andere Stationen auf das Brekendorfer Radar zugreifen. „Die Radarführungsabteilung wird zu einer ferngesteuerten Radar- und Funkzentrale“, erklärt Hornung, der vor einem Jahr das Kommando übernahm.

Der Abbau im Rahmen der Strukturreform der Bundeswehr wird noch weitergehen. Von den einst 18 Radarstellungen wird es irgendwann  nur noch vier Radarflug-, Melde- und Leitzentralen geben.

Viele der Soldaten waren gestern sichtlich bewegt, als Oberstleutnant Hornung gestern Morgen zum letzten Mal Funkkontakt mit der vorgesetzten Dienststelle in Kalkar und den Schwesterstellungen in Aurich, im brandenburgischen Cölpin, im holländischen Milligan, Glons in Belgien und Erndtebrück bei Siegen aufnahmen. Von den Kollegen aus dem In- und Ausland gab es über Funk viel Lob und Dank für die jahrelange Zusammenarbeit. In der Amtssprache Englisch wurde die Freundschaft, Partnerschaft und Professionalität hervorgehoben.

Die Techniker hatten sich für diesen Tag etwas Besonderes einfallen lassen. Per Knopfdruck fuhr der Kommandeur alle Systeme, das Licht und alle technische Anlagen herunter. Auch musikalisch wurde die Entbindung vom Einsatzauftrag untermalt – es erklang „Final Countdown“ und „Time to say Goodbye“. Musikalisch-melancholische Grüße auch aus Cölpin. Die Kameraden schickten das Lied „Il Silencio“ über die Lautsprecher nach Brekendorf. Und still wird es in den Gebäuden der Radarstellung wohl werden. Von den rund 300 Soldaten und Zivilangestellten verbleiben nur 43 in Brekendorf, um die technischen Anlagen zu warten. Die anderen werden versetzt oder gehen in Altersteilzeit. Wohin es Oberstleutnant Hornung verschlägt, weiß er noch nicht. Das klärt sich nicht vor April, macht sich Hornung wenig Hoffnung auf eine rasche Entscheidung des Bundes. Gerne würde er und seine Frau mit den drei Kindern wieder nach Frankreich gehen.

Mit der Einstellung des Einsatzauftrages wird sich auch das Landschaftsbild in den Hüttener Bergen verändern. Eine der beiden Radarkuppeln wird eventuell schon im nächsten Jahr zurückgebaut werden.

Quelle: Lokalzeitung, Autor: Achim Messerschmidt

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